Politik / Polen

Literatur als Heimat

Ich weiß noch, wie am 9. April 1989 am späten Nachmittag der Zug nach Deutschland den Bahnhof in Wrocław verließ.

Ich stand im Flur am Fenster. Ich fühlte nichts.

Ich fühlte nichts, als der Zug durch die immer dunkler werdenden polnischen Ortschaften fuhr. Ihre Namen klangen plötzlich nach Leere, ich verstand sie nicht, als ob ich kein Polnisch mehr könnte.

Irgendwann passierten wir die polnisch-deutsche Grenze, nach drei Stunden oder drei Tagen, ich wusste es nicht. Ich stand am Fenster, ich fühlte nichts.

Dann erschienen wieder Orte, hell erleuchtete Bahnhöfe mit Namen, die ich kaum aussprechen konnte, die mich aber desto mehr faszinierten – seltsame Buchstabenfolgen, die das Unbekannte bezeichneten. Görlitz, Bautzen, Bischofswerda, Freiberg, Chemnitz, Gera, Jena, Erfurt, Gotha, Eisenach. Ich wiederholte sie; sie machten meine Zunge stolpern, Namen wie brennender Wodka, ein Vorgeschmack auf das Erwachsenwerden.

Wir fuhren über Nacht, meine Mutter, mein zehnjähriger Bruder und ich. Die beiden schliefen irgendwann ein; und ich geisterte durch den Zug, durch die langen Gänge, schlich an rauchenden Gestalten vorbei, an Abteilen mit zugezogenen Vorhängen. Ich war eingeschlossen in einem Zeit-Raum-Gefüge außerhalb alles bisher Erlebten. Es war kein Ende mehr, aber noch kein Anfang, ein Dazwischen, in dem es keine Gefühle gab, keine Gedanken an die Zukunft, kein Warten – nur ein Sein, sich selbst so fremd wie die in ihren Abteilen eingeschlossenen Menschen.

Draußen mochten Stunden oder Minuten vergehen, Länder andere Namen haben, doch innerhalb dieser nächtlichen Wirklichkeit des Zuges funktionierte die Welt anders. Ich wusste nicht mehr, wer ich war. Ich hatte keine Angst, ich fühlte immer noch nichts.

Langsam, sehr allmählich erst begann sich die Vorfreude auf meinen Vater zu regen, der uns im Übergangslager Friedland erwarten sollte. Er war bereits sechs Monate zuvor nach Deutschland gegangen; existierte in meiner Vorstellung als der große bärtige Mann auf unzähligen Fotos auf dem Nachttisch meiner Mutter, als die warme Stimme am Telefon.

Wir hatten in Polen keinen eigenen Telefonanschluss, und immer, wenn mein Vater per Telegramm den Zeitpunkt seines Anrufs ankündigte, gingen wir zu Freunden meiner Eltern, um mit ihm zu sprechen. Meist rief mein Vater abends dort an, sodass meine Mutter alleine hinging, aber manchmal durften mein Bruder Paul und ich mit, erzählten von der Schule, von unseren Freunden und von dem wechselhaften Sudetenwetter.

Ich fragte mich, wie mein Vater wohl sein würde, nach der sechsmonatigen Trennung...

Um halb sieben Uhr früh erreichten wir Bebra.

Der Kleinstadtbahnhof war grau, aus dem Zug fielen Trauben von mit schweren Taschen bewaffneten Übersiedlern.

Wir waren in Deutschland – die Menschen redeten Polnisch. Noch hatte ich nicht das Gefühl, dass sich etwas verändert hätte.

Mit einem großen, glänzenden Bus fuhren wir anschließend nach Friedland. »Grenzübergangslager Friedland«: die ersten deutschen Worte, die mein kleiner Bruder in dem neuen Land gelernt hatte; er wiederholte sie wie einen Zauberspruch.

Unser Vater wartete in Friedland auf uns. Ich weiß noch, dass ich plötzlich seine Stimme hörte, ich drehte mich um und sah meine Mutter in seiner Umarmung versinken. Er war groß und bärtig, wie auf den Fotos zu Hause. Als ich ihn umarmte, roch er nach Zuhause; bloß, dass wir kein Zuhause mehr hatten.

Uns wurde ein Raum in einer der einstöckigen Baracken zugeteilt, wo bereits eine andere Familie lebte. Ich weiß nicht viel von Friedland, außer, dass wir Essensmarken bekamen für die riesige Mensa und dass ich die Mutter einer Schulkameradin getroffen habe.

Rückblickend erscheint es mir bizarr, schon am ersten Tag in Deutschland jemanden aus meiner Heimatstadt getroffen zu haben – aber damals empfand ich das Übergangslager als eine Verlängerung Polens und solche Begegnungen somit als nicht weiter verwunderlich.

Nach zwei Tagen in Friedland teilten uns die Eltern mit, dass wir irgendwohin versetzt würden, weil es in dem Lager vorläufig keinen Platz gebe. Ich habe es bis heute nicht begriffen, wie und warum wir uns plötzlich in einem hessischen Kurort einfanden. Wir bekamen ein geräumiges Zimmer mit Balkon in einem großen Kurhaus am Waldesrand zugewiesen, wie auch die anderen aus unserer Gruppe, meist junge Familien, fast alles Polen, bis auf einige russlanddeutsche Spätaussiedler.

Es war wie Urlaub, eine Woche in einem deutschen Hotel, gutes Essen, Fernsehgeräte auf den Zimmern, Badezimmer mit Duschen, alles so neu für mich. Der Ort, Bad Sooden-Allendorf, war eine Puppenstadt mit sauberen Gassen, wunderschön renovierten Mittelalterhäuschen, großen Parks und ordentlichen Grünanlagen, prächtigen Kurhäusern und vollen Supermärkten. Wir stammen ebenfalls aus einem Kurort, Lądek Zdrój in den Sudeten, einer Stadt, in der es ebenfalls große Parks und prächtige Kurhäuser gibt, aber das hier war wie Disneyland, alles so bunt und sauber, dass es blendete.

Wir gingen jeden Tag in die Stadt, schauten uns die kunterbunten Häuser an, die üppig blühenden Sträucher in den Grünanlagen, die Geschäfte, in denen es alles zu geben schien. Vor einem der Geschäfte stand eine große Tafel; und obwohl ich fast kein Deutsch konnte, verstand ich es: »Polen raus!« In dieser Nacht habe ich zum ersten Mal geweint.

Am dritten Tag entdeckte ich einen Buchladen.

Ich ging hinein und sah mich um – es war eine vollkommen neue Welt.

In meiner Heimatstadt gab es einen einzigen Buchladen, trist und halbleer; es war ein seltenes Glück, einen Gedichtband oder eine belletristische Neuerscheinung zu bekommen.

Und hier, in dem neuen unbekannten Land befand ich mich plötzlich in einer Art Paradies, mit endlosen Regalen, bis an die Decken voll mit Büchern, Büchern, die ich nicht verstand, nicht lesen, nicht kaufen konnte. Ich fühlte mich wie ein Baby, das noch zu klein ist, um die Welt zu verstehen, das zuerst sprechen lernen muss, bevor es irgendwann das Geschriebene begreift, selber schreiben, lesen kann. Plötzlich war ich ein Jahr alt, keine Fünfzehn mehr; hilflos wie ein Kind ging ich im Laden umher und starrte auf die Buchrücken, auf denen vollkommen unverständliche Worte standen.

Ich war sprachlos, ich hatte keine Sprache mehr.

Mich verständlich machen konnte ich zur Not auch mit Händen und Füßen, aber ich würde in den kommenden Monaten nichts Neues lesen können. Endlich verstand ich, was mir wirklich angetan wurde – mir wurde von einen auf den anderen Tag das Liebste weggenommen, meine Zuflucht – das Lesen. Ich war als Kind eine Leseratte, die mit Büchern ihre schönsten Stunden verlebte, schöner als vertrauliche Gespräche mit Freundinnen, schöner als das Herumziehen in den Schrebergärten und Pflaumen stibitzen, schöner sogar als Kino.

Nun stand ich in diesem deutschen Buchladen und konnte nicht lesen.

Ein einziges Buch gab es, von dem ich sofort wusste, worum es darin ging: Es war ein Bildband über meine Lieblingsband U2, mit Aufnahmen des niederländischen Fotografen Anton Corbijn. Einige der Fotos kannte ich aus polnischen Zeitschriften, ich habe sie immer ausgeschnitten und in mein U2-Album geklebt; ich habe jeden Tag ihre Musik gehört, die Songtexte konnte ich fast alle auswendig, und von dem Sänger behauptete ich, er sei der schönste Mann auf Erden. Ein großes U2-Poster hing über meinem Bett in meiner polnischen Heimatstadt, ich sah es vor dem Einschlafen und jeden Tag beim Aufwachen.

Ich stand vor dem Regal und wusste, dass ich das Buch haben musste – es war das einzig Vertraute, Verständliche in diesem Meer aus fremden Worten, ein Stück meines Selbst. Meine Eltern kauften es mir von den 100 DM Begrüßungsgeld (für den Rest bekam ich später Schuhe, schwarze Wildledermokassins mit bunten Perlen an den Seiten).

Dieser U2-Bildband, mein erstes deutsches Buch, ist für mich heute ein Symbol meiner Arbeit als Übersetzerin.

Ich werde nie vergessen, wie ich in den ersten Wochen in Deutschland – zu dem Zeitpunkt lebten wir schon im Saarland – stundenlang in meinem Zimmer saß, ein deutsch-polnisches und ein englisch-polnisches Wörterbuch in der Hand. Ich versuchte, den deutschen Einleitungstext zu übersetzen, versuchte mich an den englischen Songtexten. Damals war mein Englisch noch viel besser als mein Deutsch.
In dem Buch gab es eine Überschrift, das weiß ich noch, mit der ich absolut nichts anfangen konnte. Sie lautete »WARUM GERADE AMERIKA?«. »Amerika«, das war klar – es ging um die erste Tournee der Band in den Vereinigten Staaten.

Den Rest schlug ich im Wörterbuch nach. »Warum« hieß »dlaczego«, und »gerade« bedeutete »prosty«, »prawy«, »parzysty«, »wprost«, oder als Substantiv: »linia prosta«.
»DLACZEGO PARZYSTA AMERYKA?« »DLACZEGO WPROST AMERYKA?« »DLACZEGO LINIA PROSTA AMERYKA?«

Ich begriff den Satz nicht. »Warum gerade Amerika?« – was wollte der Verfasser damit sagen? Was hatten gerade Linien oder gerade Zahlen mit der Tournee von U2 zu tun? Dieser Satz ging mir wochenlang nicht aus dem Kopf.

Erst als ich Monate später einen Sprachkurs besuchte, erklärte mir meine Lehrerin, »gerade« heiße umgangssprachlich soviel wie »ausgerechnet«. Nun also: »WARUM AUSGERECHNET AMERIKA?« Mein kleines Wörterbuch verstand dieses Wort auch nicht. Ich nahm an, dass »ausgerechnet« in dem Zusammenhang etwas anderes bedeuten sollte als »ausrechnen«; sicher war ich mir nicht. Spätestens dann begriff ich die enorme Wichtigkeit eines guten Wörterbuchs für einen Übersetzer.

Nach dem Unterricht fuhr ich nach Hause und schlug – mittlerweile ziemlich irritiert – das unselige Wort in dem großen alten zweibändigen Wörterbuch meiner Eltern nach. »Ausgerechnet« bedeutete im Polnischen demnach »akurat« oder »własnie«. »DLACZEGO AKURAT AMERYKA?« – das Rätsel war gelöst.

Irgendwann im Laufe des ersten Jahres in Deutschland habe ich dieses U2-Buch übersetzt, auch den Großteil der englischen Songtexte, die ich dann säuberlich in eine Kladde abschrieb. Dieses Büchlein schenkte ich meinem Freund, einem polnischen Musiker, der sich in Deutschland ebenfalls sehr fremd vorkam und ständig von seinen alten Freunden erzählte. Deutsche Freunde hatten wir beide keine; wir kannten lediglich ein paar Leute von unserem Sprachkurs, mit denen wir uns zwar sprachlich, aber menschlich nicht verstanden. Und so blieben wir meist zusammen, ein polnisches Pärchen in der unverständlichen deutschen Welt.

Nach dem Sprachkurs ging ich aufs Gymnasium. Dies war bereits meine dritte Schule in Deutschland, denn schon wenige Tage, nachdem wir im saarländischen St. Wendel angekommen waren, meldeten mich meine Eltern auf einer Realschule an. Zwar schnappte ich dort ein paar Brocken Deutsch auf, was sicherlich von Vorteil war, merkte allerdings schon bald, dass ich als Polin ein seltsamer Fremdkörper in dem Organismus der rein deutschen Schule war.

Erst auf dem Gymnasium stellte ich fest, dass es dort auch andere ausländische Schüler gab, Vietnamesen, Koreaner, sogar ein farbiges Mädchen. Sie alle fielen durch ihr Aussehen auf, und ich freute mich, dass ich nicht mehr die »komische Ausländerin« war. Doch trotz meiner europäisch hellen Haut sprach ich ein mangelhaftes, akzentschweres Deutsch, während Mi-Mi, Mi-Shu, Yoo-Jin und die anderen sogar untereinander den für mich vollkommen unverständlichen saarländischen Dialekt sprachen.

Umso mehr freute ich mich auf die Wochenendtreffen mit meinem polnischen Freund, der in einer anderen Stadt wohnte. Wir redeten stundenlang auf Polnisch über unsere polnischen Freunde, über polnische Literatur, Stachura, Gombrowicz, hörten polnischen Jazz und polnische Hörspiele. Insgeheim verachteten wir die – so schien es uns damals – kulturlosen Deutschen, die sich in der Schule nur übers Essen, über Mode und den neuesten Hollywoodfilm unterhielten.

Und doch fing ich bald an, die deutsche Kultur zu entdecken. Es reichte mir nicht, zu Hause zum hundertsten Mal die polnischen Bücher meiner Eltern zu lesen. Die polnischen Übersetzungen von García Márquez, Cortázar, Hrabal kannte ich mittlerweile fast auswendig. Ich wollte Neues, mehr. Mehr lesen.

Schon in den ersten Monaten entdeckte ich die städtische Bibliothek in St. Wendel; anfangs machte ich einen großen Bogen darum, denn die Erinnerung an die Ohnmachtsgefühle der ersten Tage in Deutschland war noch zu frisch; aber später, als ich schon auf dem Gymnasium war, ging ich oft hinein und setzte mich in die Zeitschriftenecke. Die großartigen Naturaufnahmen in der GEO und PM beeindruckten mich, und umso mehr wollte ich auch die Artikel über die Königspinguine in Feuerland oder die Nomaden der Sahara verstehen. Ich fing an, mir Zeitschriften und Bücher auszuleihen, ich versuchte, soviel wie möglich zu lesen, egal, wie viel ich davon verstand. Es ging mir einzig darum, diese Sprachlosigkeit zu überwinden, ich bekämpfte sie wie einen Feind.

Irgendwann brachte mein Vater einen Stapel deutscher Bücher mit – eine unserer Bekannten hatte sie für uns aussortiert. Ich weiß noch genau, was dabei war:
»Das Glasperlenspiel« und »Der Steppenwolf« von Hermann Hesse, »Zimmerlautstärke« von Reiner Kunze, »Der Butt« von Günter Grass, von Heinrich Böll »Gruppenbild mit Dame« und »Das Ende einer Dienstfahrt« sowie »Momo« von Michael Ende. Nur langsam traute ich mich an diese dicken deutschen Bücher heran. Schließlich habe ich dann eines Tages »Momo« angefangen, irgendwann den »Steppenwolf« und Kunzes Gedichte gelesen. Die Kunze-Faszination ist mir bis heute geblieben.

1991, zwei Jahre nach unserem Umzug in die Bundesrepublik machte ich die ersten zaghaften Versuche, auf Deutsch zu schreiben; übersetzte eine Erzählung von mir ins Deutsche und bewarb mich bei einem gesamtdeutschen Schülerwettbewerb, woraufhin ich meine erste Auszeichnung bekam.

Ich hatte endlich wieder eine Sprache, besser noch: Ich hatte zwei. Heute kann ich nicht mehr sagen, welche die Wichtigere ist. Ich lebe und arbeite in beiden Sprachen, als Übersetzerin, Autorin, Verlagsgutachterin, Lektorin, Dozentin für Kreatives Schreiben.

Die Sprache an sich, egal, ob Polnisch oder Deutsch, ist für mich zu einem alltäglichen Werkzeug geworden, sie ist ein Arbeitsmittel, wie für einen Tontechniker sein Mischpult oder für einen Zahnarzt sein Bohrer. Das Schreiben, das Übersetzen – das ist Arbeit wie jede andere auch, wenn auch für mich die schönste Arbeit der Welt.
Es gibt diese seltenen Momente, wenn der Text zu fließen beginnt, wenn Worte sich wie von selbst aufs Papier schmiegen. Da wird Literatur zur Magie – und deshalb sind für mich das Schreiben und das Übersetzen auch zu Ritualen geworden.

Das weiße, unbeschriebene Blatt wird zum Altar, der Stift zum Zauberstab, die Tastatur zum Kultgegenstand, der Computer wird zum Zauberkessel einer geheimnisvollen Göttin. Und wenn Literatur, geschriebenes Wort in meinem Kopf Entrückungszustände verursacht, dann wird sie zur Religion, und Schriftsteller wie Beckett, Cortázar, Kafka, Hustvedt oder Mac Laverty werden zu ihren Gottheiten, keltischen Göttern gleich, die in Wäldern und Gewässern hausen, bereit, dich jederzeit in ihre Welt zu locken.

In solchen Momenten ist die Literatur ein Ort, an dem ich für immer bleiben will, etwas, das sich anfühlt wie Heimat.

Ich habe meine Heimat in der Literatur gefunden. Ich fühle mich keinem Land verbunden, auch nicht der deutschen oder der polnischen Sprache. Sprachen faszinieren mich an sich sehr, so habe ich mich auch intensiv mit dem Englischen, Französischen, Spanischen, Portugiesischen, Russischen, Tschechischen, dem irischen Gälisch und den Dialekten der Sinti und Roma befasst.

Ich erinnere mich an ein Werkstattseminar am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig, wo ich studiert habe. Ich stellte meine Gedichte vor, und der Dozent kritisierte bei der Diskussion über die Texte, meine Lyrik stehe weder in der polnischen noch in der deutschen Literaturtradition. Was den Dozenten so störte, macht für mich aber mein Freiheitsgefühl aus:

Es ist nicht das Polnische oder das Deutsche, das mich national, literarisch oder religiös geprägt hat. Ich lese hauptsächlich lateinamerikanische, irische, nordamerikanische und skandinavische Literatur, suche allerdings ständig nach neuen Wegen, erlese mir immer neue, andere Welten, wandere dazwischen.

Aus dem entsetzlichen Gefühl des fünfzehnjährigen Mädchens, verstummt zu sein, seine Sprache verloren zu haben, ist mittlerweile das Gefühl geworden, sich jede Sprache, jede Literatur aneignen zu können und somit überall zu Hause sein zu können.

Ich sehe mich weder als Polin noch als Deutsche – ich bin Europäerin, ein Kind der Alten Welt.

November 2000 – Januar 2009

Copyright © by Paulina Schulz
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Artikel erschienen erstmals auf Deutsch im Jahrbuch Polen 2010 Migration, Wiesbaden 2010.
Dank an das Deutsche Polen Institut Darmstadt.


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